Plötzlich ist alles anders.

Im Welpenkurs wird man seit Anfang an davor gewarnt.

"Warte erst mal ab, bis er 8 Monate alt ist, dann wird's noch anstrengender."

Wie eine große schwarze Mauer baut sie sich immer mehr vor einem auf: Die Flegelphase. 

Laut Experten beginnt diese Phase bei Junghunden zwischen 6 und 10 Monaten ein und dauert von einigen Monaten bis hin zu einem Jahr an (OMG!). 

Wie gespannt wartet man als Besitzer eines jungen Hundes nun darauf: "Ist das schon die Flegelphase?"

"Ja, das muss es jetzt sein, sonst hat er das immer perfekt gemacht."

"Er hört nicht -  das ist sicher nur die Flegelphase. "

 

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass diese "Phase" nicht bloß bei einer Phase bleibt und einfach wieder verschwindet, wenn wir hier nicht aufpassen. 

Ich verwende lieber den Begriff Pubertät - denn das unterstreicht noch mehr, wie gefordert WIR jetzt sind. Nicht der Hund macht momentan alles falsch, sondern wir können es uns ganz schön verscherzen.

 

 

Mögliche Symptome

  • Identitätskrise
  • Vergesslichkeit
  • Taubheit
  • Essstörung
  • Gockelverhalten
  • Alles meins!

           Identitätskrise

 

Wer bin ich? Wie heiße ich nochmal?

 

Seit Monaten kommt euer Hund schwanzwedelnd angerannt wenn ihr seinen Namen ruft - und wie oft habt ihr ihn schon gerufen?! 

"Määäääääx... Määäääääx......(er steht da und rührt sich nicht) MÄX!!! Hier!" 

Und plötzlich kennt er seinen Namen nicht mehr.

Es liegt noch nicht mal daran, dass er vielleicht grad wie wild schnüffelt oder etwas Anderes in der Ferne entdeckt hat. Er hat schlicht und einfach kein Bock. 

Das habt ihr sicherlich auch schon daran gemerkt, dass er nämlich auch in der Wohnung nicht mal seinen Kopf bewegt, wenn ihr seinen Namen sagt. Jedenfalls nicht, wenn er nicht möchte. 

Kein Rühren, kein Ohr-nach-hinten-legen, da ist einfach nichts mehr. 

#identitätskrise

 

 

           Unsere Tipps:

Freudentanz

Viele kennen ihn sicher aus dem Welpenkurs:

Flippt völlig aus, geht in die Hocke, oder springt in die Luft und trällert seinen Namen, sodass er sich wundert,

was bei euch los ist. Denn der erste Schritt ist häufig die Aufmerksamkeit zu wecken.  


Superleckeri  

Nur und wirklich nur, wenn ihr ihn beim Namen ruft, holt ein besonders tolles Leckerli raus.    

Nichts hierfür ist zu ungesund (okay außer Schokolade oder so) und gebt es ihm. Es gibt auch Hunde, da klappt es natürlich besser mit Spielsachen. Toller Tipp denkt ihr vielleicht, aber manchmal ist es doch nicht so komplex wie man denkt. Ich kann hier die Hundeleberwurst empfehlen. Hat bei Mubera nach drei Tagen geklappt.


Neue Sprache

-In Kombination hilft auf Anraten einiger Hundetrainer und uns Bekannten auch einfach ein neues Rufwort. Den Namen kurz davor setzten (so weiß der oder die Kleine später schon was folgt) und dann beispielsweise ein hohes "HIIIIIER". Eine Freundin hat dies ändern müssen und ruft nun "HUUUHUUU...ICI" (das ist Französisch und heißt hier) - klappt super! 


EIN Befehl

auch wir rufen gerne alles was uns einfällt: "Komm, hier, hierher, bei Fuß (dazwischen natürlich eine Millionen Male den Namen)!" Aber das ist nicht klipp und klar für den Hund und jeder Flegel nutzt unsere Unsicherheit. Bleibt bei einem.


Weggehen

Versteckt euch häufiger mal, also auch wenn es gerade ganz gut klappt mit dem abrufen. Auch das merkt sich eurer Hund. Und dann ist zumindest die Chance gegeben, dass er euch vermisst. 
Namenswechsel - Jap, genau! Es gibt Hunde, bei denen hilft nichts mehr. Besonders Hunde aus dem Tierheim, Tierschutz oder eben solche die vielleicht nicht schon ihr ganzes Leben mit Ihrem Namen etwas Tolles verbinden. Versucht es also, wenn es ein besonders schwieriger Fall ist. Ich habe auch überlegt Mubera einfach "HIIIIIER" zu nennen. Da hört sie besser drauf als auf Ihren Namen (Ironie an dieser Stelle...obwohl...).

 

Schleppleine
Ich habe mich vorher nie viel damit beschäftigt, schließlich hatten wir das früher auch nie.

Aber ich rate allen zu diesem Trainingsgerät nicht nur in der Flegelzeit!

Mir geht es nicht um ständige Kontrolle. Wie schon erwähnt, sind wir keine Hundeprofis

(und werden diese auch nicht werden.

Aber ich gestehe mir ein, dass ich meinem Hund momentan einfach nicht vertraue! Und sie hilft euch beiden.

Weil ich sie für so sinnvoll halte, ich aber kein Profi in diesem Training bin, werde ich darauf später noch eingehen. 


           Vergesslichkeit

Oh, ich koche innerlich vor Wut, wenn Max sich bei dem Kommando "Sitz!" so langsam niederlässt als würde er sich auch ein rohes Ei hocken.... das er gerade ausbrüten möchte, oder wie?!!!

Dabei war es das Kommando, welches euer Liebster doch zu allererst beherrschte. 

 

           Was dem dementen Teenie helfen könnte:

 

Zurück auf Anfang 

 Mittlerweile kann er "Männchen", "Roll" oder "Criss Cross" im Schlaf. 

 

Ja, auch wir haben zwei Border Collies, die Tricks lieben. Und auch wir mussten uns zwingen, aber fangt nochmal bei "Sitz", "Platz" und "Bleib" an!!

Wieder muss eine Spitzenbelohnung her.

Baut diese Kommandos dort ein, wo ihr sie noch nie gebraucht habt.

 

Und ganz wichtig: Freut euch darüber noch mehr als über alle (eigentlich unnützen) Tricks!

 

Also, so schwer es ist: 

Tricks reduzieren. 

Aus Betonung/ Stimmlage achten.

Sitz, Platz und bleib wieder in den Spaziergang und vor dem Füttern einbauen. 

 

*Wenn nix hilft und das Wort wie weggeplasen scheint oder von uns missbraucht wurde, dann muss ein neues her. "Down" statt Platz kann hier etwas bringen. 

 

Weg von der Routine 

 

Simpel, aber bei uns ist es Gold wert - ändert eure Gewohnheiten. 

 

Denn auch euer Hund kennt diese genau.

Er weiß, wann ihr wo über die Straße geht, wann er "Sitz" machen muss. Er weiß genau, wann er zu rebellieren versuchen kann, denn er kennt ja die Grenzen. 

Zeigt ihm Neue! 

Das bedeutet nicht, dass er oder sie jetzt etwas nicht mehr dürften, was vorher immer erlaubt war. 

Sorry, hab ich auch mal versucht, aber da ist der Zug abgefahren (selbst schuld). 

 

Dies kann auch bedeuten: 

Spielt mehr. Oder weniger. 

Spaziert länger. Oder kürzer.

Habt verschieden Leckerli dabei. Oder nur Futter.

 

*Führt neue Gewohnheiten ein: 

Wir haben das u.a. im Bus eingeführt. "Bleib" bis wir beide ausgestiegen sind, alles angezogen haben und es sicher ist. Bevor sie dann aussteigen dürfen, wird nochmal die volle Palette aus "Sitz", "Platz" und Tricks abgespult.

Die Aufregung ist zwar anstrengend, hilft aber dabei.



         Taubheit

 

Gegen Taubheit hilft nur eins: Schreien. 

(okay, ich wollte nur sicher gehen, dass ihr noch ab und zu Spaß am Lesen habt)

Obs nun der Name, ein Befehl oder die Pfeife ist. Euer Hund im Teenager-Alter hat vielleicht einfach etwas mit den Ohren?

Zu 99,9% ist das nicht der Fall! Aber keine Angst, er ist auch zu 99,9 % nicht gleich ein "Problemhund".

Die gibt es meiner Meinung nach, ja generell nicht, aber dazu mehr an anderer Stelle. 

 

 

           Leise Mittel

 

  • Versuchs mal mit körperlichen Reizen: Laufe in deinen Hund "hinein", wenn du bei Fuß sagst und er wieder mal auf seinem eigenen Planeten unterwegs ist. 
  • Nutzt die anderen Sinne: Nehmt extrem gut riechende Leckerli - also wahrscheinlich extrem stinkende Pansen oder Leberwurst. Euer Hund ist ein Balljunky? Super! Wenn er sein Lieblingsspielzeug sieht, ist die Aufmerksamkeit zumindest wieder voll bei euch!

Essstörung

 

Tritt, wie ich gehört habe, meist bei Rüden auf. 

Wenn ich Max dabei beobachte wie er vor seinem Napf steht, erinnert es mich an ein trotziges Kind, dass seine Gabel in den Spinat schlägt, weil es den voll ekelig findet. 

Und wenn ihr dann dran riecht, als wäre es von heute auf morgen nur noch trockenes Brot, was er bekommt... Oh da möchte man seinen Hund doch wirklich fragen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. 

 

Zuerst macht man sich Sorgen: "Hat er wohlmöglich etwas?" 

Bei zwei Hunden im Haushalt ist es "vielleicht plötzlich auftretende Angespanntheit" zwischen den Halbstarken. 

Ich muss an dieser Stelle zugeben, auch wir haben das gedacht, denn in dieser Form habe ich es noch nicht erlebt. 

Max hat manchmal den ganzen Tag NICHTS gegessen. Wir haben auch den Futterplatz gewechselt, weil wir dachten es sei zu eng bei Muberas Näpfen. Alles Quatsch. Die haben null Futterneid oder Anspannungen!

 

Ja, es ist ein Symptom der Flegelphase!

 

   Fasten Lassen

 

Es ist noch kein Hund vor dem Futternapf verhungert. Oder auch: der Teufel ist nicht ein Eichhörnchen, sondern eventuell euer pubertärer Hund! (In Max und Mubera steckt definitiv ein Teil von

Von daher gilt: 

 - keine Leckerli untermischen

- nicht zwischen Futtermitteln wechseln

     Nicht mal BARFEN, Mal Trockenfutter geben und dann wieder die Dose aufmachen

- nicht füttern

- nicht daneben setzen

- nicht gut zureden

- einfach nichts zu vorher ändern!

- außer: Nach 10-15 Minuten den Napf wegstellen

      hier wichtig: ohne Worte!

- weiterhin nicht beachten 

  

 

Es wird sich einpendeln und solange er ansonsten alles frisst und bei sich behalten kann, liegt auch keine gesundheitliche Gefährdung vor. 

Wenn ihr euch aber unsicher seid - lasst euch dies ruhig von eurem Tierarzt des Vertrauens bestätigen. 

Wir sind da auch eher übervorsichtig und möchten hier nichts verharmlosen. 


 

 

Gockelverhalten

Die Rute ist hoch, der Körper angespannt und die Augen fixieren das Objekt der Begierde. Dabei trabt euer Rüde oder sogar eure Hündin wie ein Dressurpferd auf andere Hunde zu. 

Das tapsige, tollpatschige über die Wiese walzen ist passé - ab sofort wird grazil gezeigt wie toll (geil) man ist. 

 

Oft ist dies ein zunehmender Ausdruck an Dominanz gegenüber anderen. 

Aber es ist auch gesund, wir müssen nur achtsam sein und dieses Verhalten unterbrechen bzw. versuchen zu entschärfen. 

Ich denke deshalb, dass es gesund ist, da wir ja auch keinen Hund möchten, der mit eingezogenem Schwanz jeden Kontakt meidet und einen riesengroßen Bogen um alles macht. Denn auch Angst, kann gegenüber einem harmlosen Hund dann letztendlich Aggressivität auslösen. 

 

   Sei der fuchs im Hühnerstall: 

 

Geh öfter mal dazwischen, ohne direkt zu schimpfen!

Zeig ihm, dass DU der Beschützer bist!

Strecke auch du diene Brust häufiger raus!

Lenke ab, wenn nötig!

Achte genau auf die Körpersprache: ein aufgestellter Nacken ist zu viel des Guten!

Versuche, das kontrollierte Hundebegegnungen überwiegen!

Pass auf Läufige Hündinnen auf!!!

 

      Persönliche Erfahrung: 

Besonders wenn viele Hunde zusammen spielen, kann dies bei Junghunden schnell umschlagen. 

Max, der mit jedem noch so knurrigen Hund spielen möchte, seine Schwester nie verteidigt hat und auch gegenüber kleineren Hunden immer vorsichtig war, hat plötzlich alles riskiert. 

In der Hundeschule wurde seine kleine Schwester Mubi aus dem nichts heraus von Mozart aus der Gruppe reagiert. (Um niemanden zu diskriminieren, habe ich hier den Namen geändert) Mozart, der 8 Monate alte Rottweiler Rüde ist sonst einer der verlässlichsten der Junghundetruppe. 

Lange Rede, kurzer Sinn: Sie unterwarf sich, Mozart stürmte auf sie drauf, stattlich wie er mit 8 Monaten ist, und knurrte einmal ganz tief. 

Max war am Flitzen mit den anderen und hat dann beim zweiten Hinsehen (ja er hat wohl gedacht er guckt nicht richtig) erkannt,  dass es seine Schwester ist und ist nur einmal kurz hin und hat nach Mozart geschnappt. Kurzes Geknurre. 

Mehr nicht. 

Mozart jedoch hat es irritiert. Er, der seit Anfang an strenger dran genommen wurde, weil er ein aufbrausender kleiner Bengel war. Er, der mehr auf die Waage bringt, als alle anderen Flapsigen in dieser Gruppe. Mozart, der wenn dann nur vom Trainer oder von seinem Herrchen Kontra bekommt, war in seinem Stolz verletzt!

Als würde unser Border einen Sender in sich tragen, wurde Max den Rest der Stunde in jedem Freilauf angepeilt. Der flitzte vorerst noch nichts kümmernd mit den anderen über den Platz, war bei seinem Übungen ganz normal und entspannt. 

Urplötzlich gab es jedoch einen erneuten Kontakt zwischen Mubera und Mozart - das war zu viel!

Ich nehme meinen Hund da nicht in Schutz. In dieser Situation ging es von Ihm aus, ganz klar.

Ende vom Lied war, das der Trainer und ich dazwischen gingen. Ehrlich gesagt war es mehr der Trainer der Max stürzte. Es floss kein Blut, es war keine Beißerei, sondern mehr ein Stärkemessen, aber einem Rottweiler gegenüber zu stehen, ist doch nochmal unangenehmer. Damit möchte ich nicht die Rasse diskriminieren, jedoch ist es nicht mein Hund und beide waren in diesem Moment nicht leicht einzuschätzen. 

 

Fazit: Auch wenn der Hund "sonst der liebste der Welt ist" (und das sind eigentlich beide), steuern die Hormone ihn manchmal doch in die falsche Richtung. Mir hat es sehr viel Respekt vor dieser Phase und allgemein vor der richtigen Erziehung gebracht. Und ich spreche nicht alleine, wenn ich sage, wir hatten ganz kurz Angst um unseren "Dicken"!


Alles Meins!

 

"Aber er ist doch stubenrein!!!"

Mit stubenrein hat es auch nichts zu tun, wenn euer Rüde plötzlich in der Wohnung das Bein hebt. 

An dieser Stelle weiß ich leider nicht, ob das auch Hündinnen wagen, kann es mir aber vorstellen!

 

Max hat das bisher zweimal versucht. In völlig normalen Situationen, in denen man es kaum bemerkt hätte. 

Ich habe viel versucht dazu herauszufinden. Entgegen dem, was man denke, nämlich, dass der Jungspund einfach nur frech ist, spielt meiner Meinung nach der Instinkt hier eine Rolle. 

Auch das habe ich woanders gelesen und es erscheint für mich völlig plausibel. 

Der junge Rüde fühlt sich in seinem Rudel als der Obermacker - ER muss das Rudel beschützen und das dazugehörige Revier verteidigen!

Ein beweil ist auch, das Max lange Zeit nicht in den Garten gepinkelt hat, als er älter wurde. Seit einigen Wochen markiert er jedoch jeden Millimeter (und unser Garten ist eher ein Vorgarten!).

Auch die Wohnung ist SEIN Territorium, das soll jeder (ja, auch wir) wissen. 

 

Das blöde Wort Dominanz kommt hier ins leider wieder ins Spiel. 

Aber so ist es. Wir müssen ihm klare Grenzen aufweisen, dieses Verhalten natürlich sofort mit scharfem Ton unterbinden und uns deutlicher positionieren.

Vielleicht heißt das, dass wir hier und da weniger übertrieben kuscheln dürfen, das ist wahr. Vielleicht heißt es auch, weniger Ausnahmen zu machen, klar. Aber euer Rüde, der in der Wohnung markieren möchte, nimmt euch anscheinend als zu "schwach" wahr,um der Rudelführer sein zu können!